Leona – ein Viertel hilft sich selbst
Saint-Louis – Senegal
In einem Armenviertel von Saint-Louis, der UNESCO Weltkulturerbestätte im Norden Senegals, unterstützt die HelpAlliance Ausbildungen und Existenzgründungen von Frauen und Jugendlichen, Alphabetisierungskurse und einen Kindergarten. Seit 2006 steht dafür eigens das Zentrum „Centre d’Education et de la Promotion sociale Keur Mame Fatim Konté” zur Verfügung.

Abseits des verblassenden Charmes der ehemaligen Hauptstadt des Senegals, sozusagen auf der falschen Seite des Flusses, liegt das Armenviertel Leona. Während die Île de Saint-Louis als UNESCO Weltkulturerbe ein pittoreskes Touristenziel abgibt, würde man sich nach Leona sicher eher ungern “verirren”.
In Leona leben ca. 14.000 Menschen in Haushalten, die häufig keine eigene Strom- und Wasserversorgung haben. Während der jährlichen Regenzeit verwandeln sich die unasphaltierten Straßen in Nebenarme des Senegalstroms, die Kanalisation versagt ihren Dienst; die Arbeitslosigkeit ist hoch, wer arbeitet, verdient wenig im informellen Sektor – um nur einige der bestehenden Probleme zu nennen.
In Zusammenarbeit mit der Bürgervertretung, dem „Rat von Leona”, ist seit 2002 ein vielfältiges Bildungsangebot geschaffen worden, das zum Teil durch Anschubfinanzierungen auf Kreditbasis ergänzt wird.
Schwerpunktmäßig konzentrierte sich die Arbeit der HelpAlliance im Viertel auf junge Frauen und eine der beiden Schulen, wo von Anfang an Nachhilfeunterricht für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen oder auch mit Behinderung angeboten wurde. Auch das erste Internetcafé im Viertel wurde dort eingerichtet.
Schnell wurde klar, dass der Bedarf in der Bevölkerung groß ist und eine Anlaufstelle für die vielfältigen Aktivitäten, die sich zu entwickeln begannen, geschaffen werden musste. 2006 wurde das Bildungszentrum eröffnet. Es beherbergt folgende Aktivitäten:
- Kindergarten und Krippe für etwa 100 Kinder – kostenlos für die jungen Mütter, die eine Ausbildung im Zentrum machen und die Familien, die sich den symbolischen Beitrag nicht leisten können.
- Frisör- und Schneiderausbildung für junge Mädchen und Frauen – die meisten sind Schulabbrecherinnen und erhalten daher Alphabetisierungskurse, Aufklärungsunterricht und kaufmännische Anleitungen für die spätere Berufsausübung. Die Zahl der Mädchen schwankt je nach Jahrgangsstärke um die 150.
- Nachhilfekurse für Mädchen, die vor Schulprüfungen stehen. Diese Prüfungen entscheiden über die weiteren Bildungschancen. Wenn man an den staatlichen Schulen durchfällt, bleiben nur Privatschulen, die sich die meisten nicht leisten können.
- Alphabetisierungskurse, Verpflegung und medizinische Versorgung für Straßenkinder bzw. Koranschüler, die wie Straßenkinder leben, aber unter der „Obhut” von Koranlehrern stehen. Die Koranschulen zeichnen sich durch vollkommen unzulängliche hygienische Bedingungen aus; die Kinder erbetteln sich ihr Essen und nehmen nicht am normalen Schulunterricht teil.
- Kostenlose medizinische Versorgung für die Frauen und Kinder, die im Zentrum aktiv sind, sowie die Straßenkinder durch eine Krankenschwester
Darüber hinaus erhalten zurzeit 66 Kinder an den beiden Grundschulen des Viertels Nachhilfeunterricht zur Prävention von Schulabbrüchen. Das Internetcafé dient vielfach der kostengünstigen Kommunikation mit den Verwandten in der Diaspora, die eine wichtige Versorgungsinstanz für die Familien zuhause darstellen. Es wird auch für Computergrundkurse genutzt.
- Berichte aus dem Projekt -
Der Rat von Leona (PDF, 461KB)
Aschenputtel im Senegal (PDF, 413KB)
Mehr Fotos zu dem Projekt gibt es bei PicasaWeb



